Die absolute Cyberwar-Waffe ist eine Atombombe für einen EMP-Angriff, jetzt wird nach einer innovativen, nicht-kinetischen Waffe gesucht, um alle elektronischen Geräte zu „neutralisieren“

Die Superwaffe für den brachialen Cyberwar ist seit langem bekannt. Und sie hängt direkt mit der Erfindung des Computers und der Entwicklung der Atombombe zusammen, denn die ultimative Bedrohung einer hochgradig vernetzten Gesellschaft mit allen ihren elektrischen Geräten ist die Explosion einer Atombombe hoch in der Luft. Die Strahlung einer solchen EMP-Bombe würde Menschen und Leben nicht schädigen, aber einen massiven und plötzlichen hochfrequenten, elektromagnetischen Impuls ausstrahlen, der in weitem Umkreis alles lahmlegt, was am Stromnetz hängt, also einen Großteil der Infrastruktur und der Geräte, die für eine moderne Gesellschaft unerlässlich sind, Smart Cities und Smart Homes, alle Fahrzeuge sowieso, wären insbesondere davon betroffen.

Das Pentagon hatte bereits in den 60er Jahren mit EMP-Bomben experimentiert, die gewissermaßen eine Alternative zur Neutronenbombe darstellen, die vor allem Strahlung freisetzt und damit Leben vernichtet, aber aufgrund der geringeren Energiefreisetzung in Form von Druck und Hitze weniger zerstörerisch für Gebäude wäre. Schon 1962 hatte das Pentagon den ersten und zugleich den letzten Test unternommen. In 380 km Höhe wurde bei dem Starfish Prime genannten Test eine Atombombe mit einer Sprengkraft von 1450 Kilotonnen TNT-Äquivalent über dem Johnston-Atoll im Pazifik zur Explosion gebracht. Der dadurch ausgelöste elektromagnetische Impuls legte alle elektrischen Geräte in einem großen Umkreis lahm. Selbst auf Hawaii, 1.300 km entfernt, fiel die Straßenbeleuchtung aus. Auch in der Sowjetunion wurden Anfang der 1960er Jahre EMP-Tests mit Atomwaffen (K-Tests) durchgeführt.

Je nach Stärke der Bombe und der Höhe der Höhe der Explosion könnten gezielt Megacities, Regionen oder ganze Länder in der Größe der USA ausgeknipst werden. Klar war dem Pentagon seitdem, dass es gegen einen EMP-Angriff keine umfassende Abwehr geben kann, neben den elektrischen Geräten und Bauteilen wäre das Nervensystem der modernen Gesellschaft und Stadt, die Energie- und Kommunikationsnetze, kaum umfassend zu schützen, auch wenn das Militär wichtige Anlagen und Mittel härtet. Eine Anhörung im US-Senat widmete sich im letzten Jahr diesem Thema (Schutz vor einem EMP-Angriff).

Das Pentagon dachte zumindest zur Abschreckung vor dem Beginn des Irak-Kriegs darüber laut über einen EMP-Angriff nach, um das irakische Militär besser überwältigen zu können, aber man ließ es dann doch bei der Shock-and-Awe-Taktik mit Bombardierungen. Eine Atombombe über dem Irak explodieren zu lassen, hätte nicht nur ein verheerendes Zeichen gesetzt, sondern sicher die Weltöffentlichkeit gegen die USA und den von ihr völkerrechtswidrigen Krieg gestellt. Aber im Pentagon denkt man nun über kleinere EMP-Waffen nach, die unter der Schwelle eines Atombombeneinsatzes liegen.

In einer aktuellen Ausschreibung geht es um Vorschläge für die Entwicklung eines „innovativen, kostengünstigen, munitionsbasierten elektronischen Systems, das nichtzerstörerische, nichtkinetische Radiofrequenz-Wirkungen gegen ein großes Spektrum von elektronischen und computerbasierten Systemen sowie der kritischen Infrastruktur liefern kann“. Von einer EMP-Waffe spricht man sicherheitshalber nicht bzw. schließt sie mit der Anforderung einer nicht-kinetischen Waffe aus, möglich wäre auch eine Mikrowellen- bzw. Hochleistungsmikrowellen-Waffe (HPM). Damit wird schon lange in den USA, in Russland und anderswo experimentiert, die Ausschreibung scheint zu bestätigen, dass die gewünschten Ergebnisse noch nicht erreicht wurden.

Es geht bei allen Formulierungen im Militärjargon schlicht darum, Waffen zur elektronischen Kriegsführung Verfügung haben zu wollen, die nur elektronische Systeme, davon aber möglichst viele, lahmlegen oder ausschalten können, ohne deren Hardware zu zerstören oder direkt Menschen zu Opfern machen. Das sei ein „alternativer Angriffsvektor“ heißt es weiter in der Erläuterung, um die zivile, industrielle und kommunikative Infrastruktur eines Gegners zu „neutralisieren“. Im Pentagon geht man davon aus, dass eine solche Munition durch die Artillerie mit einem Kaliber von 155mm abgefeuert werden sollte.

Das wiederum macht klar, dass diese militärische Waffe direkt auf zivile Strukturen gerichtet ist und deren Funktionieren ausschalten soll, was zwar vielleicht nicht direkt Leben kostet, aber in der Folge durchaus schwerwiegende, auch tödliche Folgen haben kann. Allerdings wäre vorstellbar, dass ein plötzlicher Ausfall von elektronischen Systemen etwa in Krankenhäusern oder im Verkehr auch direkt viele Aus- und Unfälle verursachen kann, die zu Toten und Verletzten führen.

Der Einsatz einer solchen Munition gegen zivile Ziele dürfte ein Kriegsverbrechen darstellen. Das interessiert allerdings wie die Kriege in Afghanistan und Syrien zeigen, sowieso immer weniger. In der Ausschreibung wird das nicht explizit behandelt, es wird nicht einmal eine technische Richtung vorgeschlagen, aber es wird davon ausgegangen, dass es sich um Präzisionsmunition, ausgestattet mit Elektronik für „nicht-kinetische Effekten (NKE) handelt, die in die Nähe des Ziels geschossen werden kann, um so „das geografische Ausmaß der betroffenen Systeme zu beschränken und die allgemeine Wirkung auf das elektromagnetische Spektrum zu reduzieren“.

Quelle

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