Digitale Dinge kontrollieren immer mehr unser Leben. Immer öfter sind wir Ware statt Kunde.

Und wir machen beim Überwachungswahn bereitwillig mit.

Außer wir beginnen nachzudenken, ob wir wirklich alles über das Smartphone machen und es überall dabei haben müssen.

Bereitwillig geben wir alle unsere Daten her, um irgendwelche Gratis-Apps runterzuladen. Schön ist sie ja, unsere neue Welt. Müssten wir nicht noch arbeiten und Geld verdienen, müssten wir eigentlich nichts mehr selbst tun.

Die Welt wird immer vernetzter, die digitalen Dinge dringen via Smartphone immer mehr in unser Zuhause ein. Und wie finden wir das? Offensichtlich super.

Wussten Sie? 
Der durchschnittliche Smartphone-Benutzer checkt sein Telefon 35 Mal am Tag
!Es ist egal, wie man diese Zahl dreht, sie zeichnet ein sehr klares Bild unserer Gesellschaft, welche einer absoluten Sucht nach diesen Geräten verfallen ist.

Überwachungswahn – und alle machen mit

Allein diese Wortschöpfung „App“ zeugt schon von ihrer Bedeutung für die gesellschaftliche Veränderung – sprach man vor ein paar Jahren noch von Computerprogammen, so sind die Apps – Applications – auf Deutsch einfach die Anwendungen. Unverzichtbare Anwendungen – für Kleinigkeiten, die vor zehn Jahren noch jeder problem- und beschwerdelos selbst erledigen konnte.

Wie zum Beispiel eine bestimmte Adresse finden. Für viele ist es aber heute unvorstellbar, wie man ohne Google Maps oder Wiener-Linien-App irgendwo hinfinden soll. Computer und digitale Dinge sollen immer angewendet werden, sie lösen Probleme, die es vorher gar nicht gab!

Und die Masse, die mitspielt, zwingt das System dann denen auf, die sich bisher noch verweigern können, denn irgendwann gibt es keine Alternative mehr. Doch kann man sich wirklich verweigern? Jedes Mal, wenn ein Internetbrowser geöffnet oder eine Smartphone-App benutzt wird, werden Daten gesammelt, alle verfügbaren Daten über jeden einzelnen Anwender, und die werden irgendwo im World Wide Web gespeichert, auf Clouds und Superservern.

Und das betrifft wirklich alle Daten die es gibt, denn: ALLES WIRD GESPEICHERT. Anders wäre es auch nicht zu erklären, dass Schätzungen zufolge in den Jahren 2014-2019 so viele Daten produziert werden, dass man damit einen Stapel DVDs von der Sonne zum Mars bauen könnte.

In der Informatikersprache ist das ein Jota-Byte. Dabei entspricht eine DVD der Informationsmenge von circa fünf vollen Bücherregalen. Unhinterfragt scheint dabei die Hypothese, dass man tatsächlich alle Daten aufheben muss.

Von den Ministerien bis zur Wissenschaft überall grassiert momentan die Langzeitarchivierungsdiskussion und nur vereinzelt äußern „Sonderlinge“ Bedenken über dieses Konservierungsdogma.

Daten sind Rohstoff der Zukunft

Es ist ein offenes Geheimnis, aber die meisten Menschen kümmert es nicht. Sie stimmen wohl Eric Schmidt zu – der in seiner Zeit als Google-Chef mit einem Zitat aufhorchen ließ, das wohl auch Hitler und Stalin so gesagt haben könnten:

„Wenn es etwas gibt, von dem Sie nicht wollen, dass es irgendjemand erfährt, sollten Sie es vielleicht ohnehin nicht tun.“

Doch es geht nicht nur um die von „Konservativen“ noch heiß geliebte und von „Modernen“ als unnötig empfundene Privatsphäre. Es geht um weit mehr. Denn Daten sind der Rohstoff der Zukunft, worauf Experten wie Yvonne Hoffstedter zunehmend hinweisen. Die Daten werden in einer digitalen Welt zunehmend zu dem, was wir eigentlich sind.

Wir verkaufen uns also selbst und das – so meinen viele Kritiker wie zum Beispiel der Berliner Philosoph Byung-Chun Hal – viel zu günstig. Laut Hal haben die digitalen Weltkonzerne die Menschen längst in einer neuen Klassengesellschaft geordnet, und zwar nach ihrer Kaufkraft.

Denn sie wollen uns kennen: die künstlichen Intelligenzen, die zunehmend unsere Welt kontrollieren.

Was sich für manche noch wie Science-Fiction anhört, ist längst Realität: an der Börse zum Beispiel. Die heutige Börse besteht nur noch aus Supercomputern, die miteinander Handel treiben und das im Bruchteil einer Sekunde.

Man stelle sich das mal vor aus Sicht von jemandem, dessen Existenz von Marktpreisen abhängt – die werden in der Regel an der Börse ausverhandelt.

Dies betrifft zum Beispiel die immer wieder unter Existenzdruck geratenden Bauern in Österreich, sie müssen sich bei ihrer Preisgestaltung nicht an Produktionsbedingungen und Realkosten orientieren, sondern an einem von einem Supercomputer konstruierten abstrakten Wert – dieser beruht ausschließlich auf Pro-gnosen und Erwartungen und hat nichts mit der aktuellen Realität zu tun.

Die intelligenten Maschinen, die die Börse steuern, verfolgen nur ein Ziel: möglichst viel Profit für die Finanzwelt, und der wird im Sekundentakt erwirtschaftet. Ein Mensch kann nicht einmal mehr ansatzweise den Überblick behalten.

Ware statt Kunde

Google macht es längst transparent, wie unverschämt es seine User überwacht und alles dokumentiert, was man sich im Internet anschaut – nur um den Bildschirm mit Werbung zupflastern zu können.

Doch auch das kümmert den User nicht. Dabei beginnt der Denkfehler schon dort, wo die Anwender denken, sie wären womöglich „Konsumenten“ oder „Kunden“ von Google.

Doch die Kunden sind die Firmen, die bei Google Anzeigen schalten und die bei Google Daten kaufen. Der einzelne Benutzer, der Smartphonekonsument, ist kein Kunde von Google, Instagram, Facebook und Co.:

Er ist die Ware. Und für diese Ware und ihre Werte müssen die Firmen selbst nichts tun, aber verdienen Milliarden. Bereitwillig lassen sich alle überwachen, die Google permanent ihren Standort mitteilen – wer eine Smartwatch mit Vitalfunktionen trägt, ist nicht nur als soziale Person, sondern sogar als biologischer Mensch gläsern.

Doch wird das hinterfragt?

Gar thematisiert?

Nein, wir haben ja alle nichts zu verbergen …

Wer in diesem Spiel besonders hinterherhinkt, ist die Politik. Das hat offenbar auch Innenminister Sobotka auf den Plan gerufen, der nun politisch einiges an Überwachungsoffensiven nachrüsten will.

Während die Hersteller von smarten Alltagsgegenständen schon längst die Möglichkeit haben, ihre Kunden bei jeder Gelegenheit auszuspionieren, eine Vielzahl an Computerbenutzern die integrierten Kameras überklebt, um nicht von russischen Hackern beobachtet zu werden, lässt der Innenminister mit Überwachungsplänen der neuen Dimension aufhorchen.

Ein Bundestrojaner soll kommen, der es ermöglicht, den Polizeistaat 2.0 zu errichten.Da kann dann jeder auf jedem smarten Gerät jederzeit beobachtet und abgehört werden – alles im Namen der Sicherheit, versteht sich.

Führerschein am Handy

Die anderen Mitglieder der österreichischen Regierung planen derweil auf Wunsch von EU-Richtlinien einen erneuten Vorstoß Richtung totaler Digitalisierung mit der Einführung von Ausweisen am Handy. „Wie praktisch“ jubeln die einen, die anderen runzeln die Stirn und sagen „Nicht mit mir„. Dabei sind Kommentare belanglos, denn niemand wird nach seiner Meinung gefragt.

Das Ganze ist ein Projekt der Österreichischen Staatsdruckerei mit internationaler Ausrichtung. Doch Achtung, auch wenn sie Österreichische Staatsdruckerei heißt, handelt es sich um ein privates börsennotiertes Unternehmen. Damit ist wieder offensichtlich, wer bei dem Unterfangen gewinnt und wer verliert.

Doch verlieren macht dem Smartphoneanwender von heute anscheinend gar nichts aus.

Hauptsache, alles kann mit ein paar Klicks erledigt werden.

Denn sie ist so schön, die neue Welt!

Quelle

Advertisements