Nicht nur hinter Sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter stecken sehr spezielle Interessen von Konzernen, Geheimdiensten, Politikern und Ideologen.

Beginnen wir (weil zufällig erster Treffer meiner Recherche) mit GitHub. GitHub ist technisch gesehen ein Dienst, der Software-Entwicklern sogenannte Repositories bereitstellt. Diese Repositories (was Speicher, Behälter, Depot oder Aufbewahrungsort bedeutet) sind mit einer Versionskontrolle namens Git verknüpft. Mit Git werden die unterschiedlichen Bearbeitungsstände der als Dateien abgelegten Programm-Codes verwaltet. Prinzipiell ist so auch jede vorher erzeugte Version eines Programm(-Teils) wieder herstellbar. [1]

Stellt sich die Frage: Was hat das mit großer Politik zu tun? Populär hat GitHub gemacht, dass Entwickler weltweit gemeinsam Repositories von GitHub nutzen können, was den Austausch von Daten und die Entwicklung von Software-Produkten beflügelt. Im Jahre 2011 wurde GitHub bereits stärker genutzt, als gleichgeartete Systeme von Google und SourceForge. Besonders populär ist es im Bereich von Open-Source-Entwicklungen (sogenannte freier Software). Es gibt ein freies offenes Repository in dem jedermann seine Projekte ablegen und pflegen kann. Die Software Git, welche GitHub nutzt, ist ebenfalls freie Software. Sie stammt vom Linux-Entwickler Linus Torvald und ist seit 2005 verfügbar. Daneben können aber auch private Repositories gegen Bezahlung gebucht werden. [2][3][4]

Das alles klingt sehr positiv – und das ist es auch. Doch alles hat auch seinen Preis und der ist oft nicht klar ersichtlich, weil versteckt und auch nicht sofort fällig. Und oft lässt sich der Preis nicht in Dollar oder Euro messen.

GitHub Inc. wurde 2007 gegründet, mit Sitz in San Francisco. Während der ersten Jahre war das Unternehmen vielleicht unabhängig (was spekulativ ist) und erlangte schnell hohe Popularität. Das führte zu Lastproblemen, die GitHub zwangen, sich einen neuen Hoster (Dienstleister, welcher die Hardware wie Server und Netzwerktechnik zur Verfügung stellt und betreibt) zu suchen. Dieser ist seit 2009 Rackspace (San Antonio, Texas) gewesen. Rackspace ist einer der weltweit Größten seiner Branche und hostet u.a. auch Vodafone und Mazda. Der Hoster ist seit Ende 2016 komplett fremdfinanziert von einem Investment-Unternehmen namens Apollo Global Management (AGM), dass (dem Geschäftsfeld entsprechend) Investmentfonds auflegt. [5][6][7]

Im Jahre 2009, jenem Jahr in dem GitHub Kunde bei Rackspace wurde, erhielt Rackspace millionenschwere Finanzierungen von Sequoia Capital (SC). SC hat seinen Sitz in Silicon Valley und finanziert(e) außerdem Unternehmen wie Yahoo, PayPal, YouTube, Apple, WhatsApp, Instagram und Google. Es handelt sich um eine Private Equity – Gesellschaft, die also mit Risikokapital arbeitet (zumindest wirkt es für den Außenstehenden so, als ob ein Risiko bestände). 2015 war SC zudem eine der Gesellschaften, die 250 Millionen US-Dollar Risikokapital in GitHub pumpten. Schon drei Jahre zuvor beteiligte sich über diese Art von Finanzierung die US-amerikanische Private Equity – Gesellschaft von Andreessen Horowitz mit über 100 Millionen US-Dollar an GitHub. [8][9]

Andreessen Horowitz hat Kapital(-Macht) nicht nur bei GitHub sondern auch in den Unternehmen Facebook, Buzzfeed und Twitter. Und es hat Verbindungen zur US-Politik, in dem es von Lawrence Summers, dem ehemaligen Stellv. Weltbankpräsidenten und früheren Finanzbeauftragten des US-Präsidenten Bill Clinton, Direktor des Nationalen Wirtschaftsrates unter US-Präsident Obama und früheren Teilnehmer der Bilderberg-Konferenz beraten wird. [10][11][12]

Alle besprochenen Finanzierungen laufen über zwei Geschäftsmodelle:

  • Private Equity – Gesellschaften (mit den dahinter liegenden Kapital, einschl. Fonds)
  • Investmentfonds – Gesellschaften (mit den dahinter liegenden Fonds)

Diese Fonds sind mit Investment-Banken verbunden und ermöglichen Jenen wiederum die erhöhte Ausgabe von Krediten (Geldschöpfung). Teilweise verwalten Banken (Investment-Banken) auch selbst solche Fonds. Alles deshalb, weil das Investment den besprochenen Unternehmen das Kapital anhebt und sie so kreditfähig(er) macht. Kredite und deren (nachfolgende) Verbriefung sind eine der wichtigsten Profitquellen von Banken und die Voraussetzung, dass Unternehmen überhaupt (weiter) wachsen können. Verbriefung macht aus den Krediten „interessante“ Wertpapiere und schickt sie wieder in den Kreislauf von Investmentfonds, welche in Unternehmen gesteckt werden… [13]

Wie rentiert sich das Kapital der Fonds-Gesellschaften? Wie können lohnende Renditen im Falle von Unternehmen wie GitHub eingespielt werden? Investment-Gesellschaften jeglicher Coleur (Hegdefonds, Private Equity und andere Beteiligungen, „klassische“ Investementfonds) besitzen mit den Anteilen strategischen Einfluss in den Unternehmen und die Unternehmen wie auch Investoren wiederum besitzen durch ihre Marktdurchsetzung und Vernetzung Einfluss in der Politik.

Das Problem das ich sehe, liegt im beschriebenen Geschäftsmodell. Denn was von Wert ist, liegt „am Anfang der Nahrungskette“ und das sind die Daten der Nutzer; hier die in den GitHub-Repositories. In diesem Kontext sollte der Aspekt „Soziale Netzwerke“ auch von einer anderen Warte betrachtet werden. Darauf weist (eher unbewusst) auch ein Satz im Wikipedia-Artikel zu GitHub hin:

„Damit wird unter Berücksichtigung der Besonderheiten verteilter Versionskontrollsysteme ein soziales Netzwerk geschaffen, was sich auch in den aus „echten“ sozialen Netzwerken bekannten Funktionen „Beobachten“ oder „Folgen“ zeigt.“ [14]

Soziale Netzwerke sind inzwischen ein Politikum geworden, denn viele Menschen haben erkannt, dass hinter solchen wie Facebook, Twitter und eben auch (in diesem Kontext betrachtet) GitHub sehr spezielle Interessen von Konzernen, Geheimdiensten, Politikern und Ideologen stecken, die geradezu gierig nach Informationen sind, um diese wertsteigernd (in Geld) oder machtsteigernd (durch Kontrolle) auszunutzen.

Auf diese Weise hat die Konzentration von Kapital schwindelerregende Ausmaße angenommen. In kürzester Zeit sind Menschen wie Mark Zuckerberg (Facebook), Leon Black (AGM, s.o.), Larry Page (Google) und Alexander Karp (Palantir) zu Milliardären geworden und gewinnen immer stärkeren Einfluss auf gesellschaftliche Prozesse. [15][16][17][18]

Das Argument der sicheren Verschlüsselung (GitHub bietet das an) steht – aus meiner Sicht – auf wackligen Beinen. Schließlich stecken die großen Vermögensverwalter (Stichwort Blackrock), Hedgefonds- und andere Kapitalgesellschaften wie eben die Private Equity – Gesellschaften das Kapital (ihrer gierigen Kunden) genau in solche Unternehmen eben auch: Palantir und Kudelski Group (Sicherheits-Technologien), SAP (Datenbank-Systeme), Google, Facebook und Co. [19]

Diese rein auf Geld orientierte Gier macht das Bild aber nicht vollständig. Was Palantir betrifft, half – neben Milliardären wie Peter Thiel – sogar ein eigens von der CIA gegründetes Investment-Unternehmen nach und ist bis heute deren Partner; die Firma In-Q-Tel. Es ist vielleicht nicht uninteressant für Kenner des Metiers, dass auch das IT-Unternehmen Docker (Spezialist für Virtualisierungs-Software) bis in die jüngste Vergangenheit Kapital von dieser CIA-Firma erhielt. Fast sämtliche (w.o.) genannten Unternehmen (Investoren wie Kapitalnehmer) sind übrigens auf die eine oder andere Art, ständige Gäste in – bzw. Einlader zur „privaten“ Bilderberg-Konferenz. [20][21][22][23][24][25][b1]

Bild

In-Q-Tel ist geschäftsmäßig bemerkenswert aufgestellt. Einerseits fungiert es als Private Equity – Gesellschaft (welches Risikokapital vergibt, s.o.). Andererseits ist es eine (de facto staatliche) Non-Profit-Organisation. Die Mittel erhält In-Q-Tel demnach aus Steuergeldern. Und damit unterstützt es u.a. auch Giganten wie Google und Facebook. Neben der CIA steht hinter In-Q-Tel inzwischen auch die DIA (Dachorganisation aller US-Geheimdienste), wie auch das US-Verteidigungsministerium und das FBI. [26][27]

All die immensen Kapitalspritzen in neue oder schnell wachsende IT-Unternehmen, die oft die Verwendung von Open Source zum Teil ihres Geschäftsmodells machten, erfolgten so etwa ab 2005 und zu jener Zeit gab es auch Unternehmens-Gründungen wie die von Palantir und Facebook – und auch GitHub. Und seit jener Zeit kam es zu großen politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen, die nicht losgelöst von dem gerade beschriebenen Geschäftsmodell betrachtet werden können, wenn man Verständnis für das Geschehen entwickeln möchte.

Was die Software-Firmen GitHub und Docker wie auch den Hoster (Bereitsteller von Systemen für Dienste) Rackspace betrifft, so gehören sie zu genau jener Kategorie von Unternehmen, die rasch wuchsen und dadurch in strukturelle – wie Finanzierungsprobleme gerieten. Diese Probleme machten sie für Investment-Gesellschaften interessant. Das finanzielle Problem wurde gelöst, die Firmen jedoch – wenn sie es nicht schon waren – in Abhängigkeiten gebracht. Und damit ausgesetzt dem alternativlosen Zwang, weiter zu wachsen. Auf wessen Kosten aber geschieht das? Läuft das Spiel nicht immer auf das Gleiche hinaus: Marktführerschaft; und dann?

Das Wachstum und die mitwachsenden Abhängigkeiten von den renditesüchtigen Investoren führt unweigerlich zu einer Aufweichung des Open Source – Gedankens, der Philosophie von einer jedermann frei zugänglichen Welt von Ideen und Lösungen. Und so ist es nicht überraschend, dass auch GitHub 2017 seine Nutzungsbedingungen (Terms of License = ToL) anpasste und dabei den rechtlichen Rahmen von Open Source, die sogenannte GNU Public License (GPL) zumindest teilweise umging. [26]

Wenn ein Entwickler oder seine Firma also Dienste von derart finanzierten IT-Unternehmen nutzt, sollten sie sich bewusst sein:

  1. Sie sind Teil der Nahrungskette – und das betrifft ihre Daten.
  2. Sie sind Teil und Mitwirkende eines zweifelhaften Geschäftsmodells, welches global gesehen schlimme Auswirkungen hat.

Und dabei sind Docker und GitHub nur Beispiele. Das grundsätzliche Prinzip nämlich erleben und leben wir doch jeden Tag auf allen möglichen Ebenen. Denn es ist prinzipiell kein Unterschied, ob wir ohne Reflexion und nur mit Blick auf den „attraktiven“ Preis Nahrungsmittel im Supermarkt erwerben oder eine IT-Leistung auf die gleiche Weise im Internet nutzen. Da heißt nämlich auch, dass wir das Geschäftsprinzip jener Unternehmen mit unserem eigenen Verhalten befördern, wir sind also Mitspieler.

Gibt es Lösungen? Aus meiner Sicht sollte sich (z.B.) GitHub vielfach neu erfinden. Und vielfach heißt dann auch tatsächlich viel (in der Anzahl) und dafür kleiner (in der Dimension), seinen Nutzern verpflichtet und dafür unabhängig sowie maßvoll statt maßlos. Und wir als Nutzer sollten tatsächlich begreifen, mehr noch ergreifen, dass Open Source als Idee nicht bedeutet, alles kostenlos zu bekommen. Denn es kostet immer! Es kostet natürliche Ressourcen, Ideen, Aufbau, Betrieb, Beratung, Engagement und Leidenschaft – und das sollten wir auch entsprechend wertschätzen.

Damit ist hoffentlich auch klar, dass dieser Artikel nicht als Auftakt einer Kampagne gegen GitHub, Docker oder andere ähnlich aufgestellte Unternehmen begriffen werden möchte. Um also jeder Schwarz-Weiß-Malerei vorzubeugen: Sie alle sind NICHT böse!

Ich möchte es jedoch als Sensibilisierung verstanden wissen, dass unsere Nutzung bequem nutzbarer Dienste auch ihre Schattenseiten hat und von politischer und gesellschaftlicher Relevanz ist; selbst bei solch einer (vermeintlich) banalen wie der eines Versionskontroll-Systems (vor allem) für Software-Entwickler. Das schließt ein kritisches Überdenken von Unternehmens-Konzepten auf der anderen Seite nicht aus. Wer jedoch einmal in großen Unternehmen mit stark hierarchisch gegliedeter Struktur gearbeitet hat, weiß um die Probleme, die damit verbunden sind.

Ungeachtet dessen sind tatsächlich bewusste Kaufentscheidungen auch empathische Entscheidungen, die berücksichtigen, unter welchen Umständen das Produkt bzw. die Leistung erzeugt bzw. angeboten wird und mit welchen mittel- und langfristigen Folgen das (auch für andere Menschen) verbunden ist.

Bleiben Sie schön aufmerksam.

[1] 7.6.2017; https://git-scm.com/book/de/v1/Los-geht%E2%80%99s-Wozu-Versionskontrolle%3F
[2] 6.6.2011; Alexander Neumann; https://www.heise.de/developer/meldung/GitHub-populaerer-als-SourceForge-und-Google-Code-1255416.html
[3] 7.6.2017; https://de.wikipedia.org/wiki/Git
[4] 7.6.2017; https://de.wikipedia.org/wiki/Linus_Torvalds
[5][9][14] 7.6.2017; https://de.wikipedia.org/wiki/GitHub
[7] 7.6.2017; https://de.wikipedia.org/wiki/Apollo_Global_Management
[6][8] 7.6.2017; https://de.wikipedia.org/wiki/Rackspace
[10] 7.6.2017; https://en.wikipedia.org/wiki/Andreessen_Horowitz#Structure
[11] 7.6.2017; https://en.wikipedia.org/wiki/Lawrence_Summers
[12] 7.6.2017; https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_Bilderberg_participants
[13] 7.6.2017; https://peds-ansichten.de/2015/06/tummelplatz-der-gier-investmentfonds/
[15] 7.6.2017; https://de.wikipedia.org/wiki/Leon_Black
[16] 7.6.2017; https://de.wikipedia.org/wiki/Larry_Page
[17] 3.5.2016; https://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article154964851/Dieses-Genie-baut-die-wichtigste-Firma-der-Welt-auf.html
[18] 7.6.2017; https://de.wikipedia.org/wiki/Eric_Schmidt
[19][23] Überwachung: Das tödliche Geschäft von Palantir; digitalcourage; 1.7.2015; https://digitalcourage.de/blog/2015/ueberwachung-das-toedliche-geschaeft-von-palantir
[20] Lee Fang; 14.4.2016; https://theintercept.com/2016/04/14/in-undisclosed-cia-investments-social-media-mining-looms-large/
[21] 2.3.2017; https://www.gruenderszene.de/allgemein/palantir-thiel-trump
[22] 23.2.2016; https://assets.documentcloud.org/documents/2803266/Iqtdoc.pdf
[24] 1.9.2016; http://www.zdnet.de/88278066/in-q-tel-interessenkonflikte-bei-cia-investitionen-im-silicon-valley/
[25] 7.6.2017; https://peds-ansichten.de/2016/05/stippvisiten-bei-den-bilderbergern-3/
[26] 7.6.2017; https://de.wikipedia.org/wiki/In-Q-Tel
[27] 7.6.2017; https://www.iqt.org/sectors/national-security/
[28] 28.2.2017; https://lwn.net/Articles/716372/

Quelle

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