Pestizide sind gut für den Profit, nicht für Menschen!

von  Ursula Rissmann-Telle und Doro Schreier

Es geht um viel Geld! Weltweit wird der Wert der Pestizidindustrie auf 58 Milliarden US-$ geschätzt. Haben Sie gewusst, dass nur wenige Tage vor der Getreideernte viele Landwirte pures Gift auf Getreideflächen spritzen? Und so landen die giftigen Stoffe direkt auf unseren Tellern und in den Trögen der Tiere. Der Chef von Syngenta, der weltweit größte Hersteller von Pestiziden, sagt, dass die Ablehnung landwirtschaftlicher Technologien innerhalb von 20 Jahren schwerwiegende Folgen haben könnte.

Dass die Belastung durch Pestizide mit Unfruchtbarkeit, Geburtsschäden und sogar mit Krebs in Verbindung gebracht wird, verschweigt er.

Welche Macht diese Konzerne haben, sehen Sie daran, dass das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln, deren Zulassung durch Zeitablauf endete, verlängerte. Warum heißt dann dieses Bundesamt überhaupt Verbraucherschutz, wenn doch der Verbraucher überhaupt nicht im Mittelpunkt steht?

Und auch die Europäische Kommission hat die Zulassung zahlreicher Substanzen im Pflanzenschutz bis zum 30. April 2019 verlängert, obwohl man sich der Risiken bewusst ist. Um die Qualität und Quantität von Obst, Gemüse und Getreide zu erhalten, werden jährlich rund 3,5 Milliarden Kilogramm Pestizide eingesetzt – ein Sammelbegriff für Herbizide, Insektizide und Fungizide, die von der Aussaat  bis zur Ernte eingesetzt werden. 

 

Pestizide werden weltweit massiv in der Landwirtschaft eingesetzt!

Allein in Deutschland sind es über 46 000 Tonnen pro Jahr, die Profiteure sind die wenigen Chemiekonzerne, denn mittlerweile gibt es durch Fusionen nur noch einige wenige.

Genau wie im Fall von DDT und dem Tabak in den 1950er-Jahren stehen wir kurz vor einer verheerenden Schädigung der Gesundheit weltweit. Kommt als nächstes sogar Agent Orange? Denn wir hatten bereits berichtet, dass Syngenta‬ US im Juni 2016  per Twitter mitteilte, dass 84 Millionen Acres (ca. 34 Millionen Hektar) in den USA unter glyphosatresistenten Unkräutern leide, aber auch das verschweigt der Chef des Konzerns Syngenta, der übrigens von dem chinesischen Giganten Chemchina übernommen wurde. Im November 2013 musste für zwei Bundesstaaten in Brasilien das Landwirtschaftsministerium sogar den Notstand ausrufen. An die hohe Belastung mit Pestiziden haben sich die Schädlinge mittlerweile angepasst – das Gift bleibt wirkungslos. Der weit verbreitete Einsatz von Pestiziden gerät zunehmend unter Druck, da ihre negativen Auswirkungen auf Bienen und andere Wildtiere deutlicher werden, doch das passt den Chemiekonzernen nicht.

Bayer, BASF und Syngenta drohen sogar mit Schadensersatzforderungen in Milliardenhöhe, sollte die EU Neonicotinoid-Insektizide aus Feldern verbieten. Die EU tat es trotzdem, allerdings verlängerte sie trotz Kritik und bekannten Risiken das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat. Auch in dem aktuellen Interview sagte der Chef von Syngenta Fyrwald, dass das EU-Verbot von Syngentas Neonicotinoiden „sehr politisch“ sei und nicht wissenschaftlich. Daran sehen Sie, die Chemiekonzerne tun alles, um ihre „gesundheitsschädlichen“ Produkte auf den Markt zu bringen.

 

Offener Brief – Pestizide sind gut für den Profit, nicht für Menschen

Es ist an der Zeit, die Landwirtschaft zu reformieren und chemiefreie Anbauverfahren anzuwenden, sagt Georgina Downs. Georgina Downs wird auch Großbritanniens Erin Brockovich genannt. Ihre Eltern kauften ein Grundstück auf dem Land und dachten, es wäre ein gesunder Ort, um Kinder großzuziehen. Sie bauten ihr Traumhaus, aber es stellte sich bald als Albtraum heraus. Georgina Downs erkrankte, nachdem die angrenzende Weide in ein Acker umgewandelt und Pestizide gespritzt wurde.

Im Alter von 13 Jahren litt sie an einer Reihe von Symptomen, die ihre Ärzte verwirrten: Halsschmerzen, Blasen im Mund und Hals, Kopfschmerzen, grippeähnliche Symptome. Als sie 18 war, wurde die Krankheit so schlimm, dass sie eine längere Zeit im Krankenhaus verbrachte. Doch als sie wieder Zuhause war, verschlimmerte sich ihr gesundheitlicher Zustand. „Ich stellte Nachforschungen an und stellte fest, dass ein Cocktail giftiger Chemikalien auf dem Acker gesprüht wurde, und es war eine Politik, die von der Regierung unterstützt wurde.“ Sie gegründete eine Kampagne gegen Pestizide und zog vor Gericht.

Weil der Chef von Syngenta in the Guardian behauptete, dass die Welt unbedingt Pestizide brauche, sonst käme es zu einer großen Lebensmittelkrise, schrieb Georgina Downs einen offenen Brief, ebenfalls in The Guardian, den wir für Sie übersetzt haben.

 

Der Schweizer Konzern Syngenta ist weltweit der größte Pestizidhersteller.

Die Leitung von Syngenta, dem weltweit größten Pestizidhersteller, fordert den fortgesetzten Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft.

(Pestizidhersteller sagt, Einschränkungen würden zu einer Lebensmittelkrise in 10 Jahren führen, 18. Juni [2018]) Das ist keineswegs eine neue und bahnbrechende Nachricht. Kann sich wirklich irgendjemand über einen solchen Standpunkt von jeder dieser Firmen wundern, deren Hauptanliegen es ist, ihre Profite zu sichern und für den fortwährenden Gebrauch von Pestiziden zu sorgen?!

In Großbritannien werden pro Jahr Pestizide im Wert von 627 Millionen £ verkauft und weltweit wird der Wert der Pestizidindustrie auf 58 Milliarden US-$ geschätzt. Das ist ein sehr großes Geschäft verbunden mit mächtigen, eigennützigen Interessen. Es gibt keinen Zweifel darüber, dass der weit verbreitete Gebrauch von Pestiziden in der Landwirtschaft zu großen Schäden für Umwelt, Wildtiere und, vor allem, die menschliche Gesundheit führt.

Dies lässt sich ablesen an erschreckenden Bezeugungen von Tausenden betroffener Anwohner in einer Petition, die sich an Theresa May und Michael Gove [seit Juni 2017 Umwelt- und Ernährungsminister] richtet, um den Schutz der ländlichen Gemeinden sicherzustellen durch ein Verbot von Pestiziden in der Nähe von Wohnhäusern, Schulen und Spiel- und Sportplätzen.

Es ist kriminell, wissentlich Menschen einem Gift auszusetzen, darum hätte es niemals eine Ausnahme dafür in Bezug auf Landwirtschaft geben dürfen. Die Notwendigkeit für Pestizide ist durch neuere Berichte in Frage gestellt worden, darunter auch eine Studie der UN, die die Idee, Pestizide seien notwendig für die Welternährung als Mythos bezeichnet.

Das neue Landwirtschaftsgesetz und die Politik dazu nach dem Brexit geben Großbritannien eine gute Gelegenheit, die Landwirtschaft zu reformieren und chemiefreie Anbauverfahren anzuwenden. Eine solche Veränderung käme der Gesundheit und der Überlebensmöglichkeit all jener zugute, die auf dem Land leben, ebenso allen anderen Lebewesen, die durch den andauernden Gebrauch solch toxischer Chemikalien vernichtet werden.

Georgina Downs, Anti-Pestizid-Kampagne, Großbritannien

Pesticides are good for profits, not for people

Georgina Downs@GeorginaDowns43

My letter in the Guardian today re pesticides. https://www.theguardian.com/environment/2018/jul/03/pesticides-are-good-for-profits-not-for-people  Please share/RT.

Pesticides are good for profits, not for people | Letters

Letters: It’s time to clean up agriculture and adopt a non-chemical farming policy, says Georgina Downs

theguardian.com

It’s time to clean up agriculture and adopt a non-chemical farming policy, says Georgina Downs

Quelle