Das große Geld unterstützt mit Vorliebe Rechtsextremisten, da diese die Wut der Armen auf Migranten umlenken.

von T.J. Coles

„Demokratie und Kapitalismus sind unvereinbar“ — weil jedoch das gemeine Fußvolk diese schlichte Wahrheit nicht erkennen soll, wird von den wahren Ursachen der sozialen Misere abgelenkt. Und was eignet sich hier besser als der Hass gegen Fremde, Linke und Muslime?

Rechtsextreme und Rechtspopulisten stellen keine „Alternative“ zur Geldherrschaft dar — sie sind vielmehr ein Stoßtrupp des Kapitals, um Linke mit harter Hand zu kontrollieren und Protest-Energien in die falsche Richtung zu lenken. Milliardäre, oft die eigentlichen Verursacher der Misere, bleiben unbehelligt, während sich Arme verschiedener Herkunft gegenseitig bekämpfen.

Milliardäre und Arbeiter haben eines gemeinsam: Sie hassen die Regierung — allerdings aus unterschiedlichen Gründen. Für Arbeiter ist die Regierung bei bestimmten Themen zu rechts. So lässt sie beispielsweise zu, dass transnationales Kapital Arbeitsplätze und Löhne gefährdet.

Bei anderen Themen sehen viele arbeitende Menschen ihre Regierung als zu links an, weil diese eine von den Arbeitern — fälschlich  — als exzessiv aufgefasste Immigration zulässt.

Milliardäre hassen die Regierung, weil diese sich manchmal gezwungen sieht, auf Druck „von unten zu reagieren — was bedeuten kann, Finanzregulation, gewerkschaftliche Organisierung und andere den Profit einschränkende Maßnahmen einzuführen.

Kann man nicht auf die Inszenierung unverblümt faschistischer Coups zurückgreifen, fabrizieren Elemente der herrschenden Klasse soziale Unruhen. So wollen sie die Regierung nötigen, Maßnahmen zu unterstützen, die den Interessen der arbeitenden Bevölkerung zuwiderlaufen.

Milliardäre, die einen Milliardärspräsidenten finanzieren

Heutzutage finanziert eine Handvoll Milliardäre rechtsextreme, anti-islamische, Anti-Einwanderungs- und/oder ultranationalistische politische Persönlichkeiten, Bewegungen und Persönlichkeiten der alternativen Medien. Ihr Ziel besteht darin, die Mainstream-Politik noch weiter nach rechts zu bugsieren, da Mainstream-Politiker fürchten, Stimmen an die neuen extremen Parteien zu verlieren.

Wie können die Eliten jedoch die arbeitenden Menschen dazu bewegen, Maßnahmen zu unterstützen, die gegen ihre eigenen Interessen verstoßen?

Die Antwort lautet: Indem sie sie von den tatsächlichen Ursachen ihrer Not ablenken — als da sind: Austerität, Privatisierung, wirtschaftliche Deregulierung, Desinvestition, also genau die Maßnahmen, die die Milliardäre unterstützen — und sich stattdessen ihre Wut auf die Immigranten und den Islam zunutze machen.

In den USA wurde Besorgnis über Präsident Trumps Verbindungen zu rechtsextremen Hassgruppen sowie die Unterstützung, die er von diesen Gruppen erhält, geäußert. Robert Mercer ist ein milliardenschwerer Hedgefonds-Manager und Vorstandsvorsitzender von Renaissance Technologies.

Als Trump-Finanzier hat Mercer mit Trumps kurzzeitigem Strategen Steve Bannon zusammengearbeitet, um Breitbart News zu einer Plattform für die so genannte Alternative Rechte beziehungsweise „Alt-Right“ zu machen.

Der Begriff Alt-Right wurde von Richard Spencer geprägt, einem weißen Rassisten und Trump-Unterstützer, der wiederum über das National Policy Institute von Multimillionär William Regnery II finanziert wird.

Regnery hat eine Reihe anti-islamischer, anti-linker Bücher veröffentlicht, unter anderem von David Horowitz, dem Direktor des gleichnamigen [David Horowitz] Freedom Center. Nachdem er mitgeholfen hatte, Trump zum Präsidenten zu machen, trennte sich Mercer von Bannon, Breitbart und der Alt-Right. Auftrag erledigt.

Ein anderes Unterfangen von Bannon und Mercer war Cambridge Analytica, ein Unternehmen, das in Großbritannien als Tochtergesellschaft von SCL eingerichtet wurde. SCL wiederum wurde wegen seiner Einmischung in ausländische Wahlen bekannt — diese bestand unter anderem in Beratungsleistungen für Iraks erste „demokratische“ Wahlen, als die Nation noch unter illegaler britischer Besatzung stand. Cambridge Analytica förderte die Leave Kampagne vor dem britischen Referendum 2016 über Verbleib in bzw. Ausscheiden aus der EU.

In der Tat besteht die Pro-Brexit-Fraktion der Conservative Party aus milliardenschweren Hedgefonds-Managern und Vermögensverwaltern, die die EU wegen ihrer Finanzregulierungen verlassen wollen.

Zu ihnen gehören Michael Hintze und Peter Hargreaves. Ein weiterer pro-Brexit-eingestellter Hedgefonds-Manager ist Arron Banks. Angeblich hat die damalige Innenministerin und jetzige Premierministerin Theresa May persönlich interveniert, um polizeiliche Ermittlungen zu Banks’ mutmaßlicher Finanzierung der Leave.EU-Kampagne zu verhindern.

Diese hatte sich [des Unternehmens] Cambridge Analytica bedient, um Anti-EU- und Anti-Einwanderungs-Botschaften unter den Nutzern sozialer Netzwerke zu verbreiten.

Brexit und die Milliardäre

Cambridge Analytica nutzte Facebook und arbeitete auch mit Angestellten von Palantir zusammen, einem Datenmapping-Unternehmen, das mit CIA-Geldern gegründet wurde und Peter Thiel gehört. Der ist Milliardär und Technologie-Unternehmer sowie Mitbegründer von Paypal.

Thiel hat öffentlich geäußert, dass Demokratie mit Kapitalismus unvereinbar sei. Zudem hat er schwer in Facebook und Reddit investiert — Reddit ist eine Art Schwarzes Brett, das mithilfe eines „Meme-Zaubers“ Trumps Profil in den sozialen Medien mit verstärkt hat.

Palmer Lucky — Fast-Milliardär und Gründer von Oculus VR — prahlte damit, zu den oberen 0,0001% zu gehören und sein Internet-Geschick dafür eingesetzt zu haben, via Reddit einen Online-Aktivismus zur Unterstützung Trumps gestartet zu haben.

Zurück zu Arron Banks: Seine Spenden fließen nicht nur an Leave.EU, sondern auch in die UK Independence Party (UKIP) – die extrem rechte, gegen Einwanderung gerichtete und EU-skeptische Partei, der früher der Ex-Banker Nigel Farage vorstand. Sein Wissen über den Brexit-Volksentscheid nutzte Farage dazu, Aktien ohne Deckung zu verkaufen und aus dem Brexit Gewinn zu schlagen.

Kürzlich sind einige Abgeordnete der Conservative Party aus dieser ausgetreten und haben eine unabhängige Gruppe gebildet — Change UK —, weil angeblich ihre [ursprüngliche] Partei auf Anregung von Banks von UKIP-Anhängern infiltriert worden sei, um — so wird behauptet — die Conservative Party weiter nach rechts zu rücken.

UKIP erwies sich jedoch selbst für Farage als zu extrem rechts — unter anderem deswegen, weil Stephen Yaxley-Lennon, besser bekannt als Tommy Robinson, als Berater  für den neuen Parteichef arbeiten sollte.

Robinson gründete die English Defence League, eine anti-islamische Gruppe, die hauptsächlich aus wütenden jungen bis mittelalten weißen Männern besteht. Als Robinson sich Quilliam — einer Denkfabrik mit dem Ziel, Muslimen, Säkularisten und Anti-Muslimen zu helfen, einen gemeinsamen Nenner zu finden — anschloss, hatte man eine Weile den Eindruck, er sei milder geworden.

Er bekam jedoch lukrativere Angebote. Robinson erhielt indirekt von Robert Shillman Geld, einem Milliardär und Vorstandsvorsitzendem in der Technologiebranche, dessen Spenden regelmäßig an anti-islamische Organisationen wie dem oben erwähnten David Horowitz Freedom Center gehen. Robinson arbeitete mit Rebel Media zusammen, einem kanadischen rechtsextremen Unternehmen, das von Shillman finanziert wird und überwiegend männliche Kunden anspricht, indem es verführerische junge Frauen einstellt, die Hass gegen die Linke, Einwanderer und Muslime schüren.

Die rechtsextreme Kommentatorin Katie Hopkins schloss sich Rebel Media an, nachdem sie von LBC — einer rechten britischen Rundfunkgesellschaft in Konzernhand — gefeuert worden war.

Hopkins’ Arbeit an der Universität wurde vom British Army Intelligence Corps (der Geheimdienst der britischen Armee; Anmerkung der Übersetzerin) finanziert, und sie ist Absolventin der Sandhurst Military Academy.

Fazit

Anstatt sich auf die rechtsextremen Galionsfiguren des Hasses wie Tommy Robinson zu konzentrieren, wäre es sinnvoller, hinter die Kulissen zu blicken — zu ihren megareichen Gönnern, ohne die sie kaum Aufmerksamkeit erregen würden.

Faschismus und Kapitalismus haben eine inzestuöse Geschichte. Kapitalisten wollen „harte Männer“ als Politiker, die nicht davor zurückschrecken, Gewalt anzuwenden — um Gewerkschaften zu zerschlagen und die Wirtschaft für internationale Investoren attraktiver zu machen.

Der US-Generalmajor im Ruhestand Smedley Butler bezeugte, dass nach dem Wall Street-Zusammenbruch von 1929 Führungskräfte aus dem Bankenwesen und der Industrie 1933 geplant haben, lieber ein faschistisches Regime in den USA zu installieren als zuzulassen, dass das soziale Investitionsprogramm „New Deal“ zustande kommt. In Deutschland lobte der Antisemit Henry Ford vom Unternehmen Ford Motors Hitler, dessen Nazis Fords Geschäftsmodell bewunderten. Als er ein Journalist in mittleren Jahren war, wurde Mussolini vom britischen MI5 als antikommunistischer Propagandist rekrutiert und bezahlt.

Noch haben wir keinen Faschismus, aber wer weiß schon, wie weit eine finanziell massiv unterstützte, internationale extreme Rechte kommen wird?

Quelle